Mein Jakobsweg-Resümee

Ich bin also nach dieser aufregenden Pilgerreise um 1250 digitale Fotos und um mindestens ebenso viele Erfahrungen und Erlebnisse, die man schwer unter einen Hut bringt, reicher. Es waren einerseits entbehrungsreiche Tage (vor allem was die [nicht] vorhandenen sanitären Anlagen betrifft), andererseits war es eine Zeit des Erkennens über welchen persönlichen Reichtum man verfügt: Gemeinschaft(lichkeit), Lebensfreude, Mut und Selbstmotivation. Auch für mich, wie auch für viele andere Pilger, ist der Camino nach Santiago ein kleines Abbild des realen Lebens, in welchem man tagtäglich Höhen und Tiefen meistern und absolvieren muss. Es ist ein Weg, den man gehen muss/kann/soll, vielleicht auch zu dem man “gerufen” wird. Ich hatte dort die Möglichkeit, den absonderlichsten Menschen zu begegnen (ich erinnere mich schmunzelnd an ein frisch vermähltes junges Ehepaar, das sich den Jakobsweg als Honeymoon-Ziel ausgesucht hat…), und von Menschen zu hören, die – es mag absurd klingen – beeindruckende und unvorstellbare Leistungen und Strapazen auf sich nehmen (eine Pilgerin, die alle drei klassischen Pilgerziele weltweit anstrebt, indem sie angeblich von Santiago nach Rom und von dort weiter nach Jerusalem pilgert, wo sie exakt am 24. Dezember eintreffen will…)

Der Jakobsweg ist außerdem ein einmaliges Natur- und Kulturerlebnis! Den Anfang macht bereits der spanische Ort Roncesvalles (leider nicht gesehen), welcher den zentralen Schauplatz des Rolandsliedes stellt. Es geht weiter mit Kirchen und Kulturdenkmälern, die die spanische Geschichte gut veranschaulichen. Immer wieder auf dem Weg wurde ich nach meinen Motiven, nach meinen Beweggründen, warum ich den Camino gehe, gefragt. Nun, es lässt sich nicht auf ein Motiv allein zurückführen, denn es waren mehrere Aspekte, die mich auf diese – von vielen als wahnwitzig betrachtete – Idee gebracht haben. Es sollte eine Herausforderung sein, eine körperliche und auch eine seelische, der ich mich mit Haut und Haaren stellen wollte. Ja, und auch mein unterbewusster Hader mit Gott war ein Motiv. Jahrelang habe ich mich (und ihn!) immer wieder gefragt, warum er all diese “Steine” ausgerechnet mir zur Last gelegt hat. […] Nun versuchte ich zwar immer wieder mir andere, weit härtere Schicksale ins Gedächtnis zu rufen, um mir meines dadurch irgendwie erträglicher zu machen, doch änderte sich an meinem Hader nichts. Der Jakobsweg war und ist für mich auch ein Weg zu Gott, dem ich von nun an mein gesamtes Dasein in seine Hände legen will (ich kann eh nicht anders 😉 ). Das wieder erwachte Urvertrauen demonstrierte mir erst heute Abend erneut, dass er mir bestimmt einen ANDEREN, nämlich den RICHTIGEN (Weg) ZU/weisen wird.

Abschließend füge ich jenen Sinnspruch (Verfasser unbekannt), den ich gleich zu Beginn meines Weges von Jasmin zu lesen bekommen habe und der mich begleitet hat, hier an:

WEGE

Wege fordern Bewegung, machen uns Beine, sind ausgetreten oder neu.
Sie führen uns zu vertrauten Plätzen oder ins Ungewisse, sie machen Hoffnung, bergen Spannung.
Wege verzweigen sich in Auswege, Umwege, Irrwege, gerade oder verschlungene Wege.
Am Ziel jedoch solltest Du sagen können:

I did it my way!

Mein Kurz-Fazit: Es war jeden Tag sch(w)eißanstrengend, aber es war auch jeden Tag – ich zitiere MMM – “scheißleiwand”! Mal sehen, wie der Wiener (Gulasch-)Saft JETZT so mundet (siehe Tapetenwechsel). Immerhin ist er lange genug gestanden…

3 comments on “Mein Jakobsweg-Resümee

  1. hallo maus!

    aus deinem resümee schliesse ich, dass es dir bereits wieder besser geht als bei unserem kurzen telefonat gestern abend.

    auf der einen seite habe ich stark gehofft, dass dir der jakobsweg in dieser hinsicht die augen öffnet. und ich denke im unterbewusstsein hast du bereits VOR der aussprache mit dem gedanken gespielt, dass ER nicht der richtige ist.

    natürlich tut die definitive erkenntnis trotzdem weh, aber so wie du den camino gepackt hast “wie ein butterbrot” – um mit opa polzers worten zu sprechen – wirst du auch dein weiteres leben meistern, so wie du es bisher gemacht hast.

    jedem von uns ist ein pinkerl mit auf den (lebens)weg gegeben worden, dir ein etwas grösseres, das wissen wir alle. aber du schaffst das alles ganz super! wir helfen dir wo es geht, mit den uns gegebenen mitteln, die leider allzu bescheiden sind.

    viele bussis
    nina

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