Ein paar “gestandene” Wellen und … mein Backpack auf Weltreise

Montag, Arugam Bay, kurz nach Mittag: Es ist heiß. Ja, wieder Mal. Superheiß sogar. Surfen zu dieser Tageszeit ist ein Ding der Unmöglichkeit, zumindest für unsereins. Die Temperaturanzeige am Tablet misst 35 Grad, nach der gefühlten “Realfeel”-Anzeige hats sogar 44 Grad. Meine Stirn ist überhitzt und glänzt vor lauter Schweiß, aber die Nerven darunter liegen blank. Es gibt immer noch keine wirklichen News von meinem Rucksack, den ich jetzt schon seit zwei Tagen vermisse. Angeblich wurde er am Flughafen in Kuala Lumpur gesichtet. Interessant, da bin ich zuletzt 2011 gewesen… Naja, soll sein. Der Guesthousebesitzer fragt mich (Scherz?), ob ich Geld drin hätte, weil sich der Backpack damit womöglich auf eigene Faust auf Weltreise begeben haben könnte. Hmmm, anfangs weiß ich nicht, wie ich drauf reagieren soll – einerseits bleibt mir das Lachen im Hals stecken, andererseits bleibt mir eh nix anderes übrig, als die Sache mit Humor zu nehmen. “Ich warte” – Gut, dass ich das Tablet mithab, denn gerade in diesem Moment kommt mir die Idee, Friedrich Dürrenmatts “Der Besuch der alten Dame” runterzuladen und zum wiederholten Mal zu lesen. Denn eben dieser kurze Kommentar von Claire Z. stellt den Schlüsselsatz am Ende des ersten Aktes dar. Zwar hat die Geschichte dahinter rund um das Thema Korruption in keinster Weise was mit meiner Situation zu tun, aber wenn man (Warte)Zeit hat, kommen einem interessante Leseideen.

Egal. Gestern jedenfalls bin ich zum ersten Mal richtig auf einem Surfbrett gestanden. Die Skatersprache aus frühester Jugend kommt mir in den Sinn, denn jetzt kann ich perfekt nachfühlen, was es bedeutet etwas “gestanden zu sein”. Pauly, Astrids Surf-Companion, hat mir die ersten Schritte erklärt, die ich für mein Empfinden sogar relativ schnell umsetzen konnte. Heute probiere ich wieder. Wir borgen uns dafür passende Boards im Surfshop unseres Vertrauens aus, die Bretter werden gewachst, dann aufs Tuk Tuk-Dach geschnallt, und ab geht’s zur “Peanut Farm”, dem Surfspot für die absoluten Beginner. Gestern schon hab ich superlustige Schnappschüsse gemacht.

Falls es wen interessiert, ich surfe übrigens in Unterwäsche. Nachdem meine Klamotten ja allesamt in meinem damned Rucksack sind, blieb mir erstmal nix anderes übrig.

Mittlerweile hab ich mich aber mit allen überlebenswichtigen Dingen eingedeckt, ein entspannendes Ayurveda-Programm für morgen Vormittag ist auch in Aussicht, und ich bin gespannt, ob ich spätestens dann von meinem Stressstatus ein bissl runterkomm. Bis dahin schwitze ich weiter, trinke Kaffee bei “Starbeans” und bete zu Gott, Allah und Buddha zugleich, dass mein Backpack bald da ist. Zaaaaah an, ich brauch dich – in erster Linie bikinitechnisch.

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