“Let’s hit the [N2-]road!”

Lange Zeit nicht gebloggt. Wow! Himmel, wie die Zeit vergeht! Was hat sich in den vergangenen Wochen so getan? Eine Menge, behaupte ich.

FROM THE WESTERN TO THE EASTERN CAPE – GRAHAMSTOWN, WIR KOMMEN!

Am ersten Dezember-Wochenende habe ich mich gemeinsam mit Lee, meiner ehemaligen Academic Skills-Lehrerin und mittlerweile richtig guten Freundin, ihrer Tochter und ihrem Labrador Marley auf die Reise nach Grahamstown resp. Uitenhage, wo wir ihrer Mum einen Besuch abgestattet haben, begeben. Freitagnachmittag (2.12.) ging’s los. Ewig lange hat uns Cape Town nicht entlassen: Staus, Verkehrschaos, Baustellen, Stress in der Schule usw usf.

Gegen 16 Uhr sitzen wir endlich im bis oben hin vollgepackten weißen Ford (namens “Pink”) und versuchen aus der Stadt zu kommen. Der  knapp 800 Kilometer lange Roadtrip, der mit ca. acht Stunden Fahrtdauer in Google Maps angegeben ist, beginnt! Das wird definitiv eine lange Nacht! Für mich überdies eine hochspannende – wir fahren entlang der National Route 2 (N2), die ab Mossel Bay auch mit der bekannten Garden Route gleichgesetzt werden kann: Die wichtigsten Stationen auf unserer Tour sind nach Kapstadt Somerset West (Hallo Cat! 🙂 ), Caledon, Swellendam, Heidelberg (ich muss immer noch lachen!), Mossel Bay, George, Wilderness, Knysna, Plettenberg Bay (kurz “Plett” genannt und vor allem in der Weihnachtszeit beliebter Urlaubsort vieler Einheimischer), Humansdorp, Jeffreys Bay und letztlich Grahamstown. Die N2 gilt außerdem als die wichtigste Straße Südafrikas entlang der Küste des Indischen Ozeans. Wir überqueren Pässe und (Bungee-)Brücken, durchfahren landwirtschaftlich genutzte Regionen (Schafe, Ziegen, Kühe, Strohballen), fahren vorbei an Flüssen und massiven Bergmassiven – und natürlich irgendwann auch an der Küste entlang. Sugar Man – I am NOT tired of these scenes! Zwar kann ich in der Dunkelheit von der beeindruckenden Schönheit dieses Landes nur wenig erkennen, schaffe es aber recht gut, mich geographisch zurechtzufinden und Lee damit auch mal Fahrpausen einzuräumen. Mit dem Linksverkehr habe ich eigentlich kaum Probleme, nur des Nächtens hinterm Steuer zu sitzen, ist nicht so ganz meine Sache. Dennoch pennen Tochter und Hund friedlich auf der Rückbank, und auch Lee nickt immer wieder weg und lässt mich meinen Weg alleine finden. Für mich ist das alles wahnsinnig aufregend! Nach zwei- bis zweieinhalb Stunden freue ich mich aber auch wieder auf eine unserer unzähligen Klo- und Kaffeepausen. Gegen halb 3 Uhr morgens kommen wir am Zielort an und bekommen typisch Westkap’schen (Cederberg!) Rooibos-Tee serviert. Jetzt wird mal ausgiebig geschlafen!

Samstag wird ausgespannt! Wir erholen uns alle schwimmend im Pool. Ich genieße die Ruhe, die diesen Ort umgibt. In der umfangreichen hauseigenen Bücherei finde ich zwei englischsprachige Bücher, die ich zumindest mal anlese: Zum einen “Perfume. The Story of a Murderer” von Patrick Süskind (Gedanke: Kenne ich auf Deutsch, kann auf Englisch nicht so schwer sein) und zum anderen “Salmon Fishing in the Yemen” von Paul Torbay (Gedanke: Cool, da kann ich beim Lesen/Verstehen mithalten!).

Sonntag geht’s dann weiter ins 130 Kilometer entfernte Grahamstown, btw eine alte Universitätsstadt. Das Ostkap, so erzählt man mir, ist das “echte Afrika”. Rauh, roh, wild und ungestüm. Wirklich erfahren werde ich das aber erst in den beiden Tagen darauf. Zwischenzeitlich bekocht uns Lees Mum mit tollen Leckereien (Fisch, Kartoffelauflauf etc.). Yeah, endlich kein Reis/kein Huhn (Seitenhieb Gastfamilie) mehr!

Sonntagvormittag machen wir uns wieder zu dritt auf den Weg zu Lees besten Freunden. Es gibt Braai. Die Strecke selbst geht wieder hauptsächlich entlang der N2 – bis auf einen kurzen Abstecher über eine schlaglöchrige Straße mitten in der Wildnis. Lee schließt sicherheitshalber die Türen von innen ab. Fragender Blick meinerseits. “Wir fahren hier, weils kürzer ist. Die Straße ist aber bekannt dafür, dass hier Autos überfallen und gestohlen werden.” – “Whaaaat?” – “Don’t worry! Just be careful!” Gesagt, getan, mein Adrenalinspiegel steigt rapide an. Endlich sind wir wieder auf der Nationalstraße. Bei Lees Freunden angekommen genehmige ich mir einen Gin-Shot.

Am späten Nachmittag dieses für Österreich geschichtsträchtigen Sonntags verfolge ich natürlich die ersten Hochrechnungen der Bundespräsidenten-Wahl mit großer Spannung! Das Resultat lässt mich aufatmen. It’s “Springbokkie”-Time: Ein in Südafrika beliebter (hochprozentiger?) Shooter bestehend aus Pfefferminzlikör und Amarula (eine Art Baileys) in den für mich optisch überaus ansprechenden Farben Grün und Gold! Cheers, Austria, well done!

Aufwühlend für mich ist eine Szene, die ich – diesmal vom Beifahrersitz aus – auf unserem Rückweg nach Cape Town beobachte: Vier bis fünf junge Burschen, mit nichts bekleidet außer einem braunen Lendenschurz und weiß aufgemalten Zahlen (Alter?) auf ihren Rücken, sitzen am Straßenrand und starren in den Busch. Sie alle haben zumindest einen langen Speer in der Hand. Erneut ein fragender Blick meinerseits, der von Lee prompt beantwortet wird. Die Jungen würden gerade abseits ihres Stammes an einem traditionellen Initiationsritual teilnehmen, das ihnen den Weg in die Erwachsenenwelt ebnen soll. Gemeinsam würden sie mehrere Wochen lang für ihr eigenes Schicksal verantwortlich sein, sich von selbst erlegten Tieren und gesammelten Pflanzen und Früchten ernähren und somit ihr Überleben sichern. Danach folge ihre Beschneidung, bei der kein Mucks zu hören sein dürfe, weil das ganze Zeremoniell dadurch wieder von ganz vorne losgehen (inkl. Jagen und Sammeln) würde. Weinen zählt nicht zu den männlichen Eigenschaften. Nach der Abheilung würden die jungen Stammesmitglieder mit einer gleichaltrigen Jungfrau vereint werden. Ich bin sprachlos. Saßen da eben diese paar Jungs an der Straße mit den Nummern 11 und 12 auf ihrer Rückseite? Habe ich etwas übersehen? Waren da auch andere Ziffern? Und das sind nur die ersten paar Gedanken, die mir in den Sinn kommen.

*

In Knysna halten wir für einen schnellen Lunch: Die kleine Lagunenstadt ist bekannt für ihre Austern (Oysters), die dort gezüchtet werden – sehr nahrhaft und überdies leicht aphrodisisch. Und natürlich “lekker”!

VORTEX TRANCE ADVENTURES

Am darauffolgenden Wochenende (8.-12.12.) findet in der Nähe von Riviersonderend (detto an der N2 gelegen) auf einer Farm das alljährliche “Vortex Open Source” statt. Südafrika ist bekannt für seine riesige Trance-Community. Wieder bin ich unterwegs mit Lee, die mir den Vorschlag, dieses Festival zu besuchen, schon vor einigen Wochen gemacht hat. Klar, bin dabei! Meine Abenteuerlust ist (noch) nicht gesättigt!

Ausgestattet mit einem 4-Mann-Zelt, Matratzen, Decken und Pölstern machen wir uns Freitagnachmittag nach der Schule (genaugenommen nach einem “Lehrausgang” in die Newlands Brewery (Castle Beer)) auf den Weg dorthin. Wieder finden wir uns in einem Verkehrschaos wieder, das dieses Wochenende auf den vorangegangen Regen zurückzuführen sein dürfte. Ein wahrlich erleuchtender Moment ist es für uns beide, als wir am Eingang nach unserer ID gefragt werden. Einlass ist erst ab 18. Ha! Ich muss laut auflachen, werde aber schon kurze Zeit später wieder in die Realität zurückgeholt, als uns ein anderer Security ohne Bedenken einfach durchwinkt und seinem Kollegen etwas wie “They are both overage!” zuruft. Jung und verwegen fühle ich mich dennoch, immerhin schmuggeln wir zwei Flaschen Rotwein unter dem Sitz auf das Festivalgelände. Yay!

Zum nachfolgenden Zeltaufbau im Dunkeln kann ich nicht viel sagen. Wir arbeiten hart dran, das Zelt aufzustellen, bekommen zwar ein bisschen Hilfe von unseren neuen Nachbarn, einer “Bachelorette-Gruppe” (Uff… das wird laut), fallen aber irgendwann todmüde ins “Bett”. Oder zumindest ich. Ich bin irgendwie zu alt für solche Aktionen.

Das Festival selbst ist aber richtig spektakulär: Fire Dancers, Performers aller Art, Workshops für Yoga, Pois, Didgeridoo, Slackline und Drumming, Ausstellungen und ein faszinierend dekorierter Dance Floor. Zu sehen gibt es genug! Außerdem mitten im Wald einen Fluss, der auch gut zum Schwimmen geeignet ist. Perfekt! Ein heißes Wochenende startet!

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