„Viel Lärm um nichts“ in Will Shakes Stratford-upon-Avon

William Shakespeare! Der William Shakespeare! Der englische Dichter, der Dramatiker, der Lyriker, der Welt- und Theaterliterat, dessen Gesamtwerk nach wie vor Aktualität und Gültigkeit besitzt. Im 16. Jahrhundert hat er geschaffen, geschrieben und gewerkt, hat „Plays“ produziert, in denen er auch selbst in kleinen Rollen mitgewirkt hat. Der William Shakespeare also, den jedes kleine Kind zumindest vom Hören-Sagen kennt. Und dazu muss es sich nicht mal um ein Kind der englischen Bevölkerung handeln.
Vor ein paar Tagen waren wir zu Besuch in Stratford-upon-Avon, einer kleinen Stadt inmitten der englischen Grafschaft Warwickshire, wo ER angeblich geboren wurde. Um uns dort umzusehen, um diese für die schreiberische Profession offenbar äußerst zuträgliche Luft einzuatmen, die kreative Atmosphäre dieses Ortes in freudiger Ewartung auf eine eigene schriftstellerische Erfolgsgeschichte quasi einzusaugen wie ein Staubsauger, sind wir – von Coventry kommend – in die Kulisse seiner ersten Lebens- und Schuljahre gepilgert. Schon in meiner Schulzeit, als meine Deutschlehrerin uns Shakespeare/die Shakespeare-Bühne und dessen/deren Vorbildwirkung für Lessing näher gebracht hat, habe ich aufgrund ihrer Schilderungen jenes pittoresken Ortes, den Entschluss gefasst, selbst einmal dort hinzufahren. Und dann war ich plötzlich in der Henley Street in Stratford, vor dem Haus, von dem man sagt, dass hier im Jahre 1564 ein gewisser „William Shakespere“ geboren worden sei. Das Geburtshaus des Genies! Wikipedia weiß wieder mal mehr:

„Es [das Haus; Anm.] stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und ist ein Beispiel für ein typisches Haus der englischen Mittelklasse jener Zeit. Es ist ein Fachwerkshaus, mit braun gestrichenen Holzbalken, die Zwischenräume gefüllt mit Flechtwerk und Lehm. Das Gebäude ist gut restauriert und kann besichtigt werden, im Inneren findet man Einrichtungsgegenstände aus der elisabethanischen Zeit, allerdings KEIN einziges Teil, das wirklich Shakespeare gehört hat.“

Wie bitte? Spätestens jetzt sind meine Vorstellungen zunichte gemacht… Was soll denn das bedeuten? Heißt das etwa, dass ich mir das dort im hauseigenen Souvenirshop erstandene Schreibwerkzeug, das angeblich dem Shakespaer’schen Erfolgsfederkiel nachgebildet ist, hätte sparen können? Dachte ich mir beim Kauf nicht, dass seine Hand die meine beim Texten von (Blog-?)Literatur führen und mich parallel dazu zu literarischer Anerkennung führen würde?
Im letzten Moment schien es als hätte er mich tatsächlich an der Hand genommen, um mich von dem Haus fortzuführen und mich vom Besuch der angeblichen Geburtsräumlichkeiten abzuhalten. Womöglich hätte ich sonst enttäuscht feststellen müssen, dass mein Will GAR NICHT gelebt hat und diese Ghostwriter-Theorie der Wahrheit entspricht. Aber… WER zum Teufel hätte dann in diesem Moment meine Feder geführt?

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