(Host)Mother City und andere Topoi

Schon mehr als neun Wochen bin ich hier. Wow! Zeit für ein kleines Update: Ich denke, jetzt bin ich wirklich endlich hier angekommen. Wenn ich mir die Stimmungsbilder in vergangenen Blogposts anschaue, stelle ich fest, dass sich viel verändert hat und ich die Eingewöhnungsphase in der Zwischenzeit erfolgreich abgeschlossen habe.

In meinem neuen Zuhause, in dem ich nun auch schon wieder länger als vier Wochen wohne, ist alles bestens. Gastmutter Latiefa (“Oh my goodness!” bzw. “Seeeeee youuuuuuu later!”), mit der ich ob ihrer ewigen Nörgel- und Zurechtweiserei einen eher schwierigen Start hatte, hat sich bei mir nun zurückgenommen und hackt nur mehr auf den vier “Boys” rum. Mir soll’s recht sein; wenn ich meine jungen Mitbewohner nicht zufällig am Esstisch treffe, haben wir kaum was miteinander zu tun, da mein Zimmer (+Bad!) in einer anderen Ebene liegt und auch unsere Stundenpläne zeitlich komplett anders getaktet sind. Auf die Nerven gehen sie mir also nur, wenn Latiefa 3 Uhr morgens auszuckt, weil einer (oder alle?) (wieder mal?) betrunken von bspw. einer “Welcome Party” nach Hause gekommen sind und dementsprechend lauten, freilich französischsprachigen Unfug machen. Mich hebt’s dann unweigerlich aus dem Bett; ihre Stimme geht nämlich – in erregtem Zustand – ehrlich durch Mark und Bein.

Im Großen und Ganzen kommen wir aber gut miteinander zurecht. Ich bin ja Gott sei Dank unabhängig und kann mich – im Gegensatz zu den Jungmännern – selbst um meine Wäsche kümmern. [Himmelherrgott!] Abseits dieser “Schwierigkeiten” schildert sie mir ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus Zeiten der Apartheid, macht Witze über ihren Ehemann (und er über sie), kümmert sich rührend um mein (soziales) Wohlergehen und nötigt mich, zum Nachtisch immer frisches Obst zu essen.

Bezüglich Schule gibt es momentan nicht viel Neues. Oder doch? Nach dem heutigen Level-Test, der entscheidet, ob ich mit meinen bis dato erworbenen Skills aufsteigen kann oder nicht, ist meine C 1.1.-Gruppe klarerweise dementsprechend nervös, was die Ergebnisse anbelangt. Morgen, zum Lunch, wird uns Tallulah (Teacher) die Resultate vorlegen. Sechs Wochen haben wir gemeinsam verbracht/geschuftet (ich sag’ nur “Phrasal Verbs”…) Zwar hat der Klassenverband in mehr oder minder regelmäßigen Abständen gewechselt, aber der harte Kern ist immer noch aufrecht. Die “Neuen” wurden und werden aber stets liebevoll aufgenommen, und so hat man die Chance, immer wieder mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen. Manche sind zwei Wochen da, andere drei bis neun, die meisten drei bis sechs Monate, nur sehr wenige (meine Wenigkeit mit eingeschlossen) neun oder zwölf Monate. Auch das AY-Projekt schreitet voran, meine Bilder und Videos sind fertig für Programmheft und Visuals der Show, die am 15. Dezember endlich über die Bühne gehen wird.

Ich liebe diese Stadt. Ich liebe das Essen, ich liebe die Menschen, die mich auch unbekannterweise immer sehr freundlich auf der Straße grüßen, ich liebe die Taxifahrer, von denen ich manche mittlerweile sogar schon mehrfach angetroffen habe und die mir immer genau sagen können, wo sie mich zuletzt hin chauffiert haben. Nicht, dass ich so viele Momente erlebe, an die ich mich nicht erinnern könnte, aber die Beschreibungen sind oft so detailliert, dass ich nur staunen kann. Und ja, ebenfalls liebe ich die großartige Auswahl und Vielfalt an Weinen hier.

Wie soll man diese Stadt auch nicht lieben? Eine Stadt, die mit Busstationen namens “Paradise”, “Petrus”, “Tramway”, “Montezuma”, “Narcissus”, “Atlantis”, “Figaro” oder “La Paloma” aufwarten kann. Eine Stadt, die an jeder Ecke voll mit Sprüchen, Zitaten und Werbeslogans ist, die mir jedes Mal beim Vorbeigehen ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Eine Stadt, die liebevoll die “Mother City” genannt wird, weil hier alles seinen Ausgang bzw. Anfang genommen hat: “Everything has started here!”, erklärt mir Ibrahim, Latiefas Schwager, der ebenfalls in unserem Haus wohnt und mich Tag für Tag über die vorherrschenden Wind- und Wetterbedingungen unterrichtet. Apropos Haus: Eine Stadt, die – zumindest im City Center – durch wunderbar stilvolle Architektur beeindruckt. Eine Stadt, die sich – nicht nur ob ihrer Bürde und ihrer Dis-Balance (die mich – zugegeben – immer wieder aus dem Gleichgewicht bringen), sondern auch ob ihrer Leichtigkeit, mit keiner anderen auf der Welt vergleichen lässt (Fakt!).

Cape Town (CT), I love you!

Und ja, der Tafelberg (heute fast unsichtbar, weil in eine dichte Nebendecke gehüllt) fasziniert mich immer noch wie am ersten Tag.

One thought on “(Host)Mother City und andere Topoi

  1. Liebe Agnes !! Man glaubt ja gar nicht wie die Zeit vergeht. Über zwei Monate bist Du nun schon In Cape Town. Vier Wochen schon in Deinem neuen Quartier, Was haben wir uns Sorgen gemacht ob Du mit Allem zurecht kommst.Aber wie Du schreibst, ist alles okay.Für uns Beide ist der Typus dieser Schule nicht vorstellbar. Haben wir in Österreich etwas vergleichbares ? Etwa unsere Volkshochschulen ? Mit einer Vielfalt an Weinen sind wir ja auch gesegnet, Einer schmeckt, der Andere weniger. Freuen uns schon auf Deinen nächsten Bericht. Alles Liebe und Gute Fritz

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