Etappe 4: Pontevedra – Redondela (19 km)

Nun… bloed aber auch, aber so ist es nun mal: Ich habe mir zusaetzlich zu einer genialen Gesichtsfarbe auch zwei Blasen (symmetrisch !!!) unterhalb meiner beiden Knoechel aufgezogen. Gestern Nachmittag hatte ich sie schon gespuert und – sobald die Socken ausgezogen waren – hatte ich dann auch die traurige Gewissheit ;-(

Jetzt kann ichs ja endlich sagen, aber jener Trick, der besagt, man solle die Socken – wenn geht – GAR nicht wechseln geschweigedenn waschen – und ich sags nochmal, JETZT weisz ichs, nachdem ichs ausprobiert habe – ist eine unverschaemte Luege! Hirschtalg hin, Hirschtalg her, alte/dreckige (=verschwitzte) Socken aus, alte Socken an – nutzt alles nix. Die Blasen kommen (vom Gehen) … und bleiben! Dabei hatte ich schon am dritten Tag das gute Gefuehl, dass meine Muskeln und Sehnen nun endlich gedehnt sowie meine Gelenke (Huefte bereitete mir ja bissl Schmerzen) geoelt und geschmiert waeren, und mir daher nix mehr passieren koennte. Falsch gedacht, aber man lernt nie aus.

Urspruneglich wollte ich also heute eigentlich einen Pausentag einlegen, mir Pontevedra noch genauer anschauen, blosz hats mich heute so eindeutig ans Meer gezogen, dass ich diesem Drang nicht mehr widerstehen konnte. Redondela naemlich ist direkt neben/an der Meeresbucht von Vigo gelegen, und auch vom Weg aus hat man einen herrlichen Blick darauf. Heute hatte ich ehrlich einen immens guten Tag, bin – ausgestattet mit neumodischen, aber im Gegensatz zu den alternativen Vorbeugungsmasznahmen sehr sehr hilfreichen Blasenpflastern – endlich fast gedankenverloren (weil massig viele blaue Pfeile; siehe Eintrag gestern) durch einsame Doerfer spaziert, habe mir von den ihre Felder bestellenden Bauern, die extra dafuer innegehalten haben, zuwinken lassen und bin mir ein bisschen wie ins vorvorige Jahrhundert zurueckgeworfen vorgekommen. Herzliche Gesten, ein Frieden und eine Ruhe, die unbeschreiblich sind und die sich nun auch langsam aber sicher auf mein hitziges – wenn auch nur selten erkennbares – innerliches Gemuet uebertragen. Ich geniesze den Weg momentan voll und ganz, bin zufrieden mit meiner Entscheidung, den Caminho Portugues, der seit 1999 wieder an Bedeutung gewinnt – andersrum zu gehen, wohl weil ich dann noch alleiner (gibts einen Komparativ zu alleine?) mit mir und meinen Gedanken sein kann.
Lediglich bloede kleine Toelen, die mich anklaeffen, wenn ich vorbeigehe, stoeren dieses Bild. Erst gestern hatte ich wieder so ein kleines Monstrum am Bein, das zwar von meinen Wanderstoecken von vornherein schon ordentlich eingeschuechtert war, das es aber dennoch nicht lassen konnte, mich anzubellen und durch die ganze Ortschaft zu verfolgen (normalerweise sind die Hunde angekettet…). “Pass auf, du (An-)Schnauzer, hoer jetzt endlich auf mit deinem Gebelle, sonst…, sonst, …sonst… fotographiere ich dich!” Der Terrier verstand diese Drohung richtig; haette er nicht damit aufgehoert, haette ich seine Bilder allen vorbeikommenden Pilgern (heute warens schon ein Paar (!!) mehr) unter die Nase gehalten und ihn als “Ungeheuer von Tivo” [Kleiner Ort zwischen Caldas de Reis und Briallos] ausgerichtet. Jedenfalls war dann Schlusz ;-). Ich fuehle mich nicht nur durch solche Aktionen als “advanced” Pilgerin; eine Herbergsbekanntschaft aus Pontevedra war z.B. ein junges 15-jaehriges Maedl aus Frankfurt, das mit Mutter und noch zwei Freunden von Porto nach Santiago unterwegs ist. Schwer begeistert von meinem Projekt, den Caminho eben in die andere Richtung UND allein zu gehen, ist sie mir den ganzen Abend nicht mehr von der Seite gewichen und hat mir zu verstehen gegeben, dass sie DAS, was ich hier gerade mache, total “cool” findet und sie sowas nach ihrem “Abi” auch machen wird/will. Dass ich mal als Vorbild fuer die heutige Jugend gelte, haette ich nie zu traeumen gewagt 😉 Vorbild hin oder her…. spaetestens uebermorgen bin ich ueber der Grenze – klingt irgendwie VERBOTEN-GUT!!! 😉 [bitte keine Nachahmungen].

One thought on “Etappe 4: Pontevedra – Redondela (19 km)

  1. jajaja!!!! sie kommt näher, und du bist nicht nur ein vorbild für die jugend sondern auch für mich. es ist ja einfach woanders hinzugehen wenns flugzeuge gibt und dich dein freund vom flughafen abholt. und seitdem hab ich hier mehr oder weniger nix mehr gemacht ausser zu faulenzen…ich fühl mich schlecht, aber faul sein ist grad einfach notwendig. ich hoffe du steckst mich mit deiner pilgerenergie an und ich beweg dan endlich meinen arsch! go, agi, go! bis bald, meine suesse!!!

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