Kränklich in Havanna

(Donnerstag/Freitag) – Der Flug von Baracoa nach HAV via AeroCaribbean am Donnerstagvormittag ist gut verlaufen. Mit dem Taxi vom Aeropuerto Jose Marti sind wir flott im bereits vorreservierten Hotel Plaza (ja, Plaza!) im Zentrum der 3-Millionenstadt. In meinem Reiseführer lese ich folgende Beschreibung, die auch für mich schnell erkennbar wird: “Hier kann man stundenlang durch die Gassen streifen und den Verfall und die perfekte Restaurierung gleichermaßen staunend in Augenschein nehmen.”
Havanna ist mächtig. Wie eine solche Stadt erkunden? Der Donnerstag ist geprägt von ersten Spaziergängen durch das Centro. Unweit vom Plaza ist das Capitolio, das leider aufgrund von Restaurierungsarbeiten derzeit geschlossen ist. Macht nix, da ist sooo viel mehr. Ich bin beeindruckt von den vielen Baustellen, von den herunterbröckelnden bunten Fassaden, von den tw. aber auch bereits renovierten Palästen und Herrschaftshäusern mit ihren prunkvollen Arkadengängen und Säulen davor und auch von den vielen kleinen Parks mitten in der Stadt. Die Innenhöfe sind ebenfalls alle begrünt, und jeder für sich eine kleine Ruheoase – vorausgesetzt es wird nicht gerade gestemmt oder gehämmert. Die beiden Einkaufsstraßen Obispo und Obrapia verlaufen parallel. Dort kann man unendlich viele Souvenirs erstehen, aber auch alte Uhren, kleine Colaflaschen-Miniaturen aus noch Pre-Revolutionszeiten, Bücher (Ernest Hemingways “The old man and the sea”, das auf Kuba spielt und für das er den Literaturnobelpreis bekommen hat, steht hoch im Kurs) und allerhand sonstigen Trödel. Am Malecon, der Uferstraße, angekommen, staune ich erstmal über den riesigen Hafen.
Ich bin ein bisschen kränklich. Die ACs in den Casas, in den Hotels und zuletzt im Flugzeug haben meinem Hals ziemlich zugesetzt. Ich stecke in meinen Vorhaben, was ich alles besichtigen möchte, daher ein wenig zurück.
Der Freitag startet feucht. Es regnet, was das Zeug hält. Und kalt ist es auch. Oder ist nur mir kalt? Nein, alle tragen Pullis oder Regenjacken. Dass es spätestens zu Mittag wieder aufheizen wird, ist allerdings klar. Und tatsächlich: Während wir auf der Suche nach einer billigeren Unterkunft für die kommenden Nächte eine Unmenge an Casas particulares und deren unterschiedliche Ausstattung zu mehr oder weniger dem gleichem Preis besichtigen, wird es wärmer und wärmer und schließlich wieder heiß. Mittlerweile befinden wir uns in Vieja, in der Altstadt, wo wir auch fündig werden.
Im Zuge der Unterkunftsbesichtigungen kommen wir auch an einem riesigen Kunstmarkt vorbei, der in den ebenso riesigen Hafenhallen stattfindet. Auch dort werde ich fündig. Tolle Fotografien, tolle Bilder, Schmuck, ein wenig Kleinkram – und schon wieder muss ich mir Sorgen machen, die Gewichtsobergrenze beim Gepäck nicht zu überschreiten. Dabei hieß es in Wien-Schwechat noch, “kein Problem, da haben Sie noch mehr als die Hälfte Spielraum.” Hmm.
So. Und jetzt? Durch das viele Rumgehen bin ich erschöpft. Den Nachmittag verbringe ich daher auf dem Oberdeck eines Touristenbusses, der mich durch andere Stadtteile wie Vedado oder Miramar (Botschafts- bzw. Verwaltungs- und Villenviertel) karrt. Der Fahrtwind ist meinem Hals auch nicht besonders zuträglich. Außerdem ist mir angst und bange dabei, wenn ich andere Mitfahrende dabei beobachte, wie sie ihre Köpfe – nachdem sie aufgestanden sind – noch weiter in die Höhe strecken, um das perfekte Foto zu schießen. Die Stromleitungen von einer Straßenseite zur anderen hängen nämlich gefährlich tief, und jedes Mal, wenn der Bus in einer Allee unterwegs ist, gibt es einen Aufschrei aller Passagiere auf der rechten Seite, die dann alle ihre Köpfe gleichzeitig ängstlich zur Seite neigen, um nicht von den Palmen abgewatscht zu werden. Ich amüsiere mich darüber in der letzten Reihe – vom meiner Meinung nach sicheren Mittelsitz aus.
Es handelt sich um einen klassischen Hop on-Hop off-Bus. Das erste Mal springe ich raus, um mir den mega Plaza de la Revolucion zu geben. Die Bilder dort kennt man gut von Postkarten: Ein riesiges Che-Gesicht an der einen Hauswand, ein riesiges Cienfuegos-Gesicht auf der anderen. Gegenüber das Denkmal von Jose Marti.
Den nächsten Stopp lege ich beim riesigen Friedhof ein. Größenmäßig – was ich nach einem Blick auf die Karte ermessen kann – muss er ungefähr den beiden Stadtteilen Centro und Vieja gleichkommen. Wieder alles aus Marmor.
Schlussendlich steige ich nochmal in Miramar aus.
(Samstag) – Ich erwache immer noch mit Halskratzen. Heute fehlt mir auch die Stimme. Die nächsten Tage werde ich wohl ruhig und beschaulich verbringen, heißt viel in Lokalen rumsitzen und mir das Treiben anschauen. Nach zwei Nächten im Plaza ist der Umzug in die casa heute das einzig große Vorhaben.

 

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