Sonntags im August @ Burgruine Aggstein

Es nieselt als wir aus Wien raus fahren. Das Wetter spricht nicht gerade offenkundig eine Einladung in die Wachau aus. Dennoch machen F. und ich uns auf den Weg dorthin – und siehe da, der Himmel lichtet sich. Als wir ca. 80 Kilometer später in Aggsbach Dorf aus dem geborgten Zipcar steigen, hat es aufgehört zu regnen. Nur durch eine spontane Eingebung meinerseits sind wir hier gelandet. Wachau, ja, schön, können wir machen. Aber wieder nach Dürnstein? Die dortige Ruine ist zwar das Lieblingsausflugsziel (Danke Oma und Opa!) meiner Kindheit gewesen, aber die jetzt zum 20. Mal erklimmen, wäre irgendwie langweilig. Dennoch steht fest: Ich liebe solche alten Gemäuer. Ich liebe die Sagen und Legenden, die sich um all diese alten Burgen – oder was davon übrig geblieben – ranken. Ich interessiere mich für die (angeblich) historischen Ereignisse, die dort stattgefunden haben. Ob es sich nun um den englischen König Richard Löwenherz, der – Tatsache! – in Dürnstein inhaftiert war, den Sänger Blondel oder um Siegfried, Kriemhild und Hagen aus der Nibelungensage dreht, ist mir eigentlich gleich. Obwohl letztere „nur“ eine Sage ist und nur zu einem sehr geringen Teil Anleihen aus realen geschichtlichen Begebenheiten nimmt, hat sie es mir besonders angetan. Ich liebe die mittelhochdeutschen Strophen, dich ich mir manchmal sogar selbst laut vorlese, weil sie sich so toll anhören. Hier die Eingangsstrophe:

„Uns ist in alten mæren   wunders vil geseit
von helden lobebæren,   von grôzer arebeit,
von freuden, hôchgezîten,   von weinen und von klagen,
von küener recken strîten   muget ir nû wunder hœren sagen.“

„In alten Geschichten wird uns vieles Wunderbare berichtet:
von ruhmreichen Helden, von hartem Streit, von glücklichen Tagen
und Festen, von Schmerz und Klage, vom Kampf tapferer Recken:
Davon könnt auch Ihr jetzt Wunderbares berichten hören.“

Und so ist es auch das wunderbare „Nibelungenlied“, das dem niederösterreichischen „Nibelungengau“ seinen Namen gibt. Der Donauabschnitt zwischen Ybbs/Persenbeug und Melk spielt nämlich auch im mittelalterlichen Heldenepos eine entscheidende Rolle.

Wir befinden uns nur unweit entfernt davon, konkret im Dunkelsteinerwald auf der südlichen Seite der Donau. Und über diesen Schauplatz, die Burgruine Aggstein nämlich, möchte nun ich „Wunderbares berichten“. Ich bin jedenfalls ganz begeistert von diesem Ausflugsziel, das ich bis dato nur aus der Ferne, nämlich von der drüberen Donauseite, wahrgenommen habe. So thront sie erhaben auf einem Felsen in 300 Höhenmetern über der schönen blauen Donau und ermöglicht damit eine herrliche Aussicht über die wunderschöne Wald- und Weinlandschaft sowie stromaufwärts auf den – eben/oben erwähnten – Nibelungengau.

Tolle Sache, die ich bis dato nicht wusste: Die Wachau wurde im Jahr 2000 von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft!

Über den alten „Esel-Steig“ gelangen wir innerhalb von ca. 1 1/4 Stunden auf einem richtig tollen, teilweise aber recht steilen Waldwanderweg (Stichwort Dunkelsteinerwaldrunde, kurz Sprühmarkierung_Dunkelsteinerwaldrunde DUR) zur Burg hinauf. Am Weg selbst begegnet uns eine rund 12 cm lange Smaragdeidechse, die alle Farben spielt. Obwohl der Lebensraum hier perfekt scheint, sind sie leider gefährdet resp. vom Aussterben bedroht. Pilze und Schwammerl gibt es noch und nöcher, und Brombeeren sammeln wir schließlich am Weg zurück zum Auto.

Ich bin erstaunt, dass ich diese Burg noch nicht früher besucht habe und dementsprechend hingerissen bin ich von dem, was wir zu sehen bekommen: labyrinthartige Höfe, die man nur durch kleine Maueröffnungen erreicht, hohe Türme, eine kleine Kapelle, ein Verlies und einen Rittersaal, den man auch für Veranstaltungen buchen kann. Ein Rundgang über Stiegen und Stege führt über die gesamte Burg.

Es steht fest: Aggstein taugt mir! Ich komme wieder! Vielleicht das nächste Mal sogar mit dem mittelhochdeutschen Epos unterm Arm, das ich dann innerhalb dieses alten Mauerwerkes an einem ruhigen Platz an der Sonne vielleicht sogar im Original lesen w(u)erde 🙂

Und mit der finalen Nibelungenlied-Zeile schließe ich nun auch diesen Blogpost:

„dâ hât daz mære ein ende   diz ist der Nibelvnge <nôt>“

„Hier hat die Geschichte ein Ende: das ist das Lied der Nibelungen.“

Bye the way: Auch alle drei überlieferten Handschriften des Nibelungenliedes (A, B und C) wurden durch die UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.